Die Diagnose von Teilentladungen (TE) – die Messung kleiner Bereiche dielektrischer Defekte in Hochspannungsanlagen wie Kabeln, Transformatoren, Schaltanlagen, Motoren und Generatoren – kann äußerst komplex sein. Ein einzelner Ausreißer kann ein ansonsten einwandfreies Gerät fälschlicherweise als defekt kennzeichnen oder wochenlang unbemerkt bleiben, bevor er schließlich zu einem schwerwiegenden Geräteausfall führt. Trotz weltweit über 15,000 mit permanenten TE-Sensoren ausgestatteten Maschinen und über 400,000 in der internationalen Datenbank gespeicherten Messwerten ist die Diagnose von Teilentladungen oft komplex. CIGRE-Studie 2016 von Sedding, Stone und WarrenViele Pflanzen haben Schwierigkeiten, konsistente und zuverlässige Diagnoseergebnisse zu erzielen.
Dieser Leitfaden erläutert die vier verborgenen Faktoren, die die Interpretation von Teilentladungen erschweren – Sensorbias, Anlagen-Baseline, Rauschkontamination und Mustermehrdeutigkeit – und bietet Ihnen einen praktischen Rahmen, um Teilentladungsergebnisse wie ein erfahrener Hochspannungsprüfingenieur zu lesen.
Kurzübersicht
| Was ist PD? | Lokalisierter Isolationsdurchschlag, der nicht die gesamte Elektrodenlücke überbrückt |
| Typischer Spannungsbereich | 3 kV bis 700 kV und darüber hinaus |
| Gesetzliche Standards | IEC 60270 (Offline, ladungsbasiert) · IEC 60034-27-2 (Online, rotierende Maschinen) · IEEE 1434 (Leitfaden für Teilentladungen rotierender Maschinen) |
| Primäre Maßeinheiten | pC (Picocoulomb, IEC 60270) oder mV (online, breitbandig) |
| Die drei häufigsten Ursachen für Interpretationsfehler | Störgeräusche · Sensortyp-Verzerrung · Diskrepanz zwischen Anlagen- und Basisdaten |
Warum „leicht verständliche“ PD-Berichte oft falsch sind

Ein Teilentladungsbericht mag auf den ersten Blick beruhigend numerisch erscheinen – ein Qm-Wert von 240 mV, eine scheinbare Ladung von 12 pC, ein einwandfreies phasenaufgelöstes Diagramm –, kann aber dennoch irreführend sein. Die angezeigten Werte sind das Ergebnis von mindestens vier verschiedenen Variablen, von denen jede die Messung verfälschen kann: der Sensor und seine Bandbreite, die Anlagenklasse und ihre statistischen Normen, die Störgeräusche im Umfeld des Testaufbaus und der Entladungsmechanismus selbst.
Wenn der Bericht eine der oben genannten Achsen vernachlässigt, ergeben sich zwei mögliche Fehlerquellen: Entweder wird ein Alarm bei einem intakten Gerät ausgelöst – ein Fehlalarm, der die Integrität des Prüfverfahrens untergräbt – oder ein tatsächlicher Fehler wird unterhalb eines unzulässigen Schwellenwerts erkannt, sodass das Gerät zwischen den geplanten Prüfungen ausfällt. Wie der Außendiensttechniker „jburn“ in einem längeren Austausch im Forum „Eng-tips“ nach seiner ersten kommerziellen Teilentladungsprüfung anmerkte: „Es bedarf eines hochqualifizierten Ingenieurs oder Technikers, um die erfassten Daten richtig zu interpretieren.“
Die Interpretation von PD-Tests erfordert eine Entscheidung anhand von vier Achsen: Sensor / Anlage / Rauschen / Muster. Ein scheinbar eindeutiger Einzelwert, der eine dieser vier Achsen vernachlässigt, ist gefährlicher als gar kein Wert.
Grundlagen der Persönlichkeitsentwicklung: Was Sie tatsächlich messen

A Teilentladung Ein Überschlag ist ein Überschlag in einem bestimmten Abschnitt eines Isolationssystems, dessen elektrisches Feldgradient unterhalb der Durchschlagsfestigkeit des betroffenen Abschnitts liegt (wobei das gesamte System dem angelegten elektrischen Feld weiterhin standhält). Jeder Überschlag erzeugt einen hochfrequenten Stromimpuls und verschiedene beobachtbare Folgen: Licht, Wärme, Ozon, hörbares Knistern, elektromagnetische Emissionen und einen HF-Erdstromimpuls. Jede dieser Folgen kann mit unterschiedlichen Sensoren erfasst werden, da jeder Sensortyp spezifische Informationen über den Defekt liefert.
In der Praxis werden PD in drei Familien unterteilt. Die korrekte Klassifizierung ist wichtig, da jede Familie eine andere PRPD-Signatur erzeugt, einen anderen Sensor bevorzugt und ein anderes Ausfallratenprofil aufweist.
| PD-Typ | Wo es passiert | Bester Primärsensor | Vorwarnung vor einem Ausfall |
|---|---|---|---|
| Interne PD | Hohlräume, Spalten und Lücken in fester Isolierung; gasgefüllte Defekte in Gießharz oder Polymer | TEV (Schaltanlage); HFCT / 80 pF Koppler (Kabel, Transformatoren) | Oftmals lautlos – kein Geruch, kein Geräusch, kein sichtbares Anzeichen vor dem Versagen |
| Oberflächen-PD | Kriechströme über die Oberfläche der Isolierung, oft an trockenen Anschlüssen oder Schnittstellen. | Ultraschall in der Luft; Ultraschallkontakt für geschlossene Gehäuse | Ozongeruch, hörbares Knistern, schließlich Oberflächenerosion |
| Corona PD | Scharfe Elektrodengeometrie, die in ein Gas entlädt (typischerweise Luft, gelegentlich SF6-Anomalien). | UHF; Ultraschallübertragung in der Luft in offenen Schaltanlagen | Sichtbares blaues Leuchten im Dunkeln; hörbares Zischen bei feuchtem Wetter |
Bevor in einem Umspannwerk ein Messgerät installiert wird, sollte eine sensorische Begehung durchgeführt werden. Ozongeruch aus einem verschlossenen Schaltschrank deutet auf aktive Teilentladungen im Inneren hin; lautes Knistern an den Dichtungen der Schaltanlage lässt auf starke interne oder Oberflächenaktivität schließen; tote, manchmal sichtbare Koronaentladungen an scharfen Kanten außen sind in der Regel kein Problem für die Lebensdauer der Anlage, können aber bei eingeschränkter Luftzirkulation in geschlossenen Kammern Teilentladungen auslösen. Drei Minuten sensorischer Überprüfung genügen, um festzustellen, welcher Sensor zuerst installiert werden sollte.
Wie die Wahl der Sensoren Ihre Interpretation beeinflusst

Zwei Teilentladungssensoren an derselben Fehlerstelle liefern selten denselben Messwert. Das ist kein Messfehler, sondern ein physikalisches Gesetz.
Jeder Sensortyp hat seine eigene Bandbreite, seinen eigenen Kopplungsmechanismus und Frequenzgang sowie seine eigenen Schwachstellen hinsichtlich möglicher Fehler. Wählt man den falschen Sensor, ist der erstellte Bericht zwar intern konsistent, aber extern fehlerhaft.
| Sensor | Physikalisches Prinzip | Best-Fit-Fehler | Interpretationshinweis |
|---|---|---|---|
| 80 pF kapazitiver Koppler | Impulsstrommessung des Phasenanschluss-Hochspannungskondensators | Statorwicklung (Motoren, Generatoren); Transformatoranschlüsse | Die Empfindlichkeit nimmt bei Spulen ab, die sich tief in der Wicklung befinden, weit entfernt von den Anschlussklemmen. |
| Statornutkupplung (SSC) | Antenne unter Schlitzkeilen, empfängt lokale Schlitz-PD | Wasserstoffgekühlte Turbogeneratoren, bei denen 80-pF-Kupplungen Probleme haben | Nur lokal – sieht kein Endwinding oder Terminal PD |
| TEV (Transiente Erdspannung) | HF-EM-Impulse, die durch Dichtungsöffnungen aus der Schaltanlage austreten | Interne Teilentladungsgeräte in metallgekapselten Schaltanlagen | Eine Lokalisierung auf einen bestimmten Arbeitsplatz ist ohne Scannen mehrerer Positionen nicht möglich. |
| HFCT / RFCT | Aufsteckbarer Stromwandler am Erdungsanschluss | Online-PD an Mittel-/Hochspannungskabeln ohne Kabelausschaltung | Nimmt alles auf dem Erdungsleiter auf – benötigt Rauschunterdrückung vorgelagert |
| UHF | Antennenbasierte EM-Detektion im 300-MHz- bis 3-GHz-Band | GIS, offene Schaltanlagen, Kabelsysteme, bei denen Kontaktsensoren unpraktisch sind | Die Empfindlichkeit hängt von der Antennenplatzierung und der Abschirmungsgeometrie ab. |
| Ultraschall (Luftschall / Kontaktschall) | Akustische Emissionen im Ultraschallbereich, die mit zunehmender Schwere oft in den hörbaren Bereich absinken. | Oberflächen- und Korona-Teilentladungen mit einem Luft- oder Kontaktpfad zur Quelle | Fehlt die interne Abdichtung; empfindlich gegenüber Umgebungsgeräuschen |
Die Bandbreite verdient besondere Beachtung. Sensoren, die oberhalb von etwa 40 MHz arbeiten, erfassen den ersten Peak eines Teilentladungsimpulses als Wanderwelle, bevor die Induktivität und Kapazität der Wicklung ihn verzerren. Laut der oben zitierten CIGRE-Studie von Iris Power ist dies der Grund, warum Hochfrequenz-Online-Messungen an Statoren annähernd absolute Werte liefern – das Messgerät erfasst nicht die vollständige Statorimpedanzschleife.
Bei Messungen mit geringer Bandbreite wird hingegen ein stark gefilterter Impuls erfasst, und der Absolutwert hängt stark von der Spulengeometrie ab. Ein maschinenübergreifender Vergleich ist nur im Bandbreitenbereich eines einzelnen Sensors sinnvoll.
Wenn Sie ein Feldinstrument benötigen, das die gesamte Sensorfamilie abdeckt und für die alle Mitglieder der Familie dieselbe Trendsoftware verwenden, sollten Sie integrierte Lösungen in Betracht ziehen. professionelle Hochspannungsprüfgeräte statt Einzelsensor-Einheiten, die einen auf ein einziges Interpretationsmodell beschränken.
Akzeptanzkriterien für verschiedene Anlagentypen und warum der Vergleich verschiedener Anlagentypen scheitert

Ein Qm-Wert von 250 mV an einem luftgekühlten 13.8-kV-Turbogenerator ist unbedenklich; derselbe Wert an einer wasserstoffgekühlten Maschine bei 30 psig ist ein deutlicher Hinweis auf eine Störungsuntersuchung; an einem ölgefüllten Transformator ist er bedeutungslos, da das Messgerät wahrscheinlich im falschen Messbereich arbeitete. Die Schwellenwerte für Teilentladungen sind anlagenklassenspezifisch, und Sie sollten jede Regel, die Sie aus einer anderen Anlagenklasse übernehmen, nicht als unumstößliche Faustregel betrachten, die Sie in die Irre führen kann.
Referenzbaselines nach Anlageklasse
| Anlageklasse | Typische Methode | Einheit | Ermittlungsauslöser | Standard |
|---|---|---|---|---|
| 13.8 kV luftgekühlter Stator (TGA) | Online-Koppler, 80 pF | mV (Breitband) | Qm über dem 90. Perzentil (etwa 529 mV pro Iris-Datensatz) | IEC 60034-27-2 · IEEE 1434 |
| Wasserstoffgekühlter Stator (>30 psig) | Online, 80 pF Koppler oder SSC | mV (Breitband) | Das 90. Perzentil liegt typischerweise nahe 250 mV – etwa der Hälfte des Schwellenwerts für Luftkühlung. | IEC 60034-27-2 · IEEE 1434 |
| Mittelspannungs-Öltransformator | Offline-Werksprüfung; HFCT-Online-Betrieb | pC (offline); mV (HFCT online) | Akzeptanzwerte gemäß Kaufspezifikation; Konsensablehnung oberhalb von 100 pC bei 1.5 U0 | IEC 60270 · IEC 60076-3 |
| XLPE MV-Kabel | Offline-VLF oder gedämpfter Wechselstrom bei 1.5 bis 2.0 U0; Online-HFCT | pC (offline, IEC 60270-ladungskalibriert) | Jede nachweisbare Teilentladung im elektrischen Baumdiagramm ist signifikant – typische Restlebensdauer: Stunden bis Tage | IEC 60270 · IEEE 400.4 |
| Mittelspannungs-Metallschaltanlagen | Online-TEV-plus-Ultraschalluntersuchung | dB (TEV); dB (Ultraschall) | TEV konstant über 20 dB oder steigend; jegliche hörbare Ultraschallaktivität | IEC TS 62478 |
Wasserstoffgekühlte Maschinen weisen durchweg geringere Teilentladungsraten auf als luftgekühlte Maschinen mit gleicher Nennspannung, da die höhere Durchschlagsfestigkeit von unter Druck stehendem Wasserstoff die Einsatzspannung von Isolationsfehlern erhöht. Laut der Online-Teilentladungsdatenbank von Iris sinkt der 90. Perzentilwert von Qm bei höheren H₂-Drücken auf etwa die Hälfte des Wertes bei luftgekühlten Maschinen. Ein Vergleich von Messwerten wasserstoffgekühlter Maschinen mit einer Schwellenwerttabelle für luftgekühlte Maschinen ist fehlerhaft, da die Gasspaltgeometrie das Ergebnis maßgeblich beeinflusst.
Eine hilfreiche Beobachtung aus der Praxis: Als das nordamerikanische Energieversorgungsunternehmen „kraigb“ seine Mittelspannungs-Erdkabelverteilung mit einer Spannung von 1.5 bis 2.0 p.u. plante, war das Verhältnis der Teilentladungen (TE) in Kabelverbindungen (Spleiße, Endverschlüsse, Winkelstücke) zu denen im Kabel selbst deutlich höher als das im Betrieb übliche Ausfallverhältnis von 4:1. Die Isolationsverschlechterung aufgrund von Verarbeitungsfehlern an den Verbindungsstellen der Kabelverbindungen, und nicht etwa ein Isolationsfehler im Kabel selbst, war die Hauptursache für die beobachteten TE. Referenzwerte, die auf den Spezifikationen der Kabelhersteller basieren, berücksichtigen dies selten – passen Sie Ihre Erwartungen entsprechend an, wenn die Untersuchung viele Kabelverbindungen umfasst.
PRPD-Muster: Lesen des phasenaufgelösten Diagramms

Die phasenaufgelöste Teilentladungsdarstellung (PRPD) ist mit Abstand das hilfreichste Instrument zur Interpretation, aber auch das, das am leichtesten missbraucht werden kann. Jeder einzelne Impuls wird in einem 2D-Diagramm des Wechselstrom-Phasenwinkels (x-Achse, 0–360 Grad) und der Impulsamplitude (y-Achse) dargestellt. Beobachtet man denselben Defekt lange genug, entsteht eine erkennbare Wolke – deren Form die Art des ausgelösten Defekts kennzeichnet.
Die 4-Muster-PRPD-Checkliste für die Feldtriage
- ✔
Innenhohlraum (Vollisolierung): Die Wolkendichte ist auf beiden Halbwellen annähernd gleich und konzentriert sich um 45° und 225°. Die Helligkeiten liegen eng beieinander. Die Symmetrie der Pulspolarität ist der entscheidende Hinweis. - ✔
Oberflächen-PD (Delamination oder Grenzflächenverfolgung): Asymmetrisches Muster – mehr Aktivität auf einer Polarität als auf der anderen. Die Wolke breitet sich breitflächig entlang der ansteigenden Spannungsflanke aus. Oftmals begleitet von hörbarem Knistern und Ozongeruch. - ✔
Corona-PD (scharfe Elektrode im Gas): Enge, reproduzierbare Impulsfolge bei einem Phasenwinkel, fast immer positive Halbperiode. Die Amplituden sind einheitlich und niedrig. Häufig werden sie durch Feuchtigkeitsänderungen unterdrückt. - ✔
Freischwebendes Metall oder schlechter Kontakt: Vereinzelt auftretende, sehr starke Impulse mit niedriger Wiederholrate, oft in nicht-kanonischen Phasenwinkeln. Das Signal wirkt im Vergleich zu den anderen drei chaotisch – und genau dieses Chaos ist die Diagnose.
Die Polarität gibt die Position der Defekte an. Wie ein erfahrener Ingenieur der Motorenindustrie („electricpete“) in einem langjährigen Thread im Forum „Eng-Tips“ zur Teilentladungsinterpretation zusammenfasste: Überwiegen positive Impulse deuten auf Defekte an der Außenwand der Isolierung (zwischen Isolierung und Erdung) hin, überwiegen negative Impulse auf Defekte an der Innenwand (zwischen Isolierung und stromführendem Leiter) und eine annähernd gleiche Anzahl positiver und negativer Impulse auf Defekte im Inneren der Isolierung. Diese einfache Polaritätsprüfung, die vor jeder Amplitudenanalyse durchgeführt wird, entscheidet oft darüber, ob ein Grenzwert einen Anlagenabbruch oder eine weitere sechsmonatige Überwachung erfordert.
„Wir haben weltweit über 10,000 km Mittelspannungskabel geprüft, und die Anzahl der gefundenen Defekte kann ich an einer Hand abzählen. Wissenschaftler lieben ebenso die Theorie wie die mathematischen Berechnungen dazu, aber in der Realität ist die Wahrscheinlichkeit für solche Defekte extrem gering. In praktisch allen Untersuchungen zu Teilentladungen an gealterten Kabeln, an denen ich beteiligt war, befand sich ein elektrischer Defekt in unmittelbarer Nähe eines Wasserdefekts.“
— leitender Kabel-PD-Testingenieur, Eng-Tips-Anwenderforum
Diese praktische Realität widerspricht der gängigen Aussage zur Kabelentladung und mahnt zur Vorsicht bei der Interpretation eines Kabeldiagramms. Zeigt Ihr Diagramm eine breite, asymmetrische Wolke feuchtigkeitsbedingter Baumstrukturen anstelle der charakteristischen schmalen internen Hohlräume, handelt es sich mit hoher Wahrscheinlichkeit um eine Ausbreitung von Feuchtigkeitsbaumstrukturen zu elektrischen Baumstrukturen und nicht um herstellungsbedingte Hohlräume – und die verbleibende Lebensdauer wird in Tagen, nicht in Jahren gemessen.
Geräuschunterscheidung: Die Hauptursache für Fehlalarme

Störungen sind der größte Einzelfaktor für Fehlinterpretationen von Teilentladungen. Das OMICRON-Whitepaper zur Rauschunterdrückung beschreibt das 3PARD-Prinzip folgendermaßen: „Äußerliche Störungen überlagern oft das Teilentladungssignal, sodass der vom Messsystem gemäß IEC 60270 angezeigte Scheinladungswert im Vergleich zum tatsächlichen Scheinladungswert des Prüfobjekts erhöht ist.“ Übersteigt der Rauschpegel den des Signals, misst das Prüfverfahren das Rauschen und nicht die Teilentladung.
Dies kann für Anlagen aufgrund von Fehlalarmen sehr kostspielig sein. Ein Elektrotechniker eines 13.8-kV-Kraftwerks mit 30 Maschinen in einer ähnlichen Anlage beschrieb es so: „Etwa 50 % der Maschinen melden einen Wert über dem vom Hersteller festgelegten Warnschwellenwert.“ Wenn die Hälfte der Alarme Fehlalarme sind, ignorieren die Betriebsmitarbeiter die Meldungen – und der eine echte Alarm im nächsten Monat bleibt unbemerkt.
Lärmquellen, denen Sie begegnen werden
| Geräuschquelle | Typische PRPD-Signatur | Bester Diskriminierungsmechanismus |
|---|---|---|
| Koronaentladungen im Stromnetz | Impulse konzentrieren sich auf die Spitzenspannung; werden durch Feuchtigkeitsanstieg unterdrückt | Phasenfenster-Gating; 3PARD-Geometriefilter |
| Schleifring- oder Kommutatorfunken | Zufällig über den gesamten Zyklus; moduliert durch die Rotordrehzahl | Kreuzkorrelation mit Wellendrehzahl; Laufzeittrennung |
| Wechselrichter-/Frequenzumrichter-Schaltung | Periodisches 6-Puls-Cluster bei festen Phasenpositionen | Kanalsteuerung durch eine Kopplung in der Nähe des Wechselrichters |
| Mobilfunk / Mobilfunkmast | Impulsrauschen unabhängig vom Wechselstromzyklus; spezifisches Frequenzband | 3FREQ / 3CFRD Frequenzsignaturfilterung |
| Elektrostatischer Filter | Impulse hoher Amplitude, unregelmäßige Feuerung | Fenstersteuerung in Phase und Amplitude |
Zwei von OMICRON veröffentlichte Analyseverfahren haben sich zu De-facto-Standards in der Praxis für die Trennung von Rauschen und Teilentladungen entwickelt. 3PARD — das 3-Phasen-Amplitudenbeziehungsdiagramm — verwendet synchrone Dreiphasenmessungen und projiziert alle Impulse auf ein einziges Sterndiagramm, sodass echte interne PD (die phasenkorreliert ist) sichtbar vom Rauschen (das nicht phasenkorreliert ist) getrennt werden kann. 3FREQDas auch als 3CFRD bezeichnete Verfahren wendet drei digitale Filter mit unterschiedlichen Mittenfrequenzen auf einen einzelnen Kanal an und charakterisiert jeden Impuls anhand seiner Frequenzsignatur. Dadurch bilden Koronaentladungen, Wechselrichterrauschen und echte Teilentladungen deutlich voneinander abgegrenzte Bereiche, selbst wenn nur eine Phase instrumentiert wird. Beide Methoden wandeln die Unterscheidung zwischen Rauschen und Teilentladungen von einer heuristischen Vorgehensweise in eine grafische Entscheidung um.
Vor jeder Teilentladungsmessung sollte eine Referenzmessung mit spannungsfreiem Prüfling, installierten Sensoren und in Ruhe durchgeführt werden. Diese Referenzmessung dient als Rauschreferenz – alles, was im spannungsfreien Zustand auftritt, ist Rauschen; alles, was nur in der Messung unter Spannung auftritt, ist ein potenzieller Teilentladungskandidat.
Welcher Standard ist anwendbar? IEC 60270 vs. IEC 60034-27-2 vs. IEEE 1434

Drei Dokumente sind für die meisten Entscheidungen zur Abnahme von Teilentladungen maßgeblich, und trotz ihrer Titel und Laufzeiten gibt es kaum Überschneidungen. Verwendet man das falsche Dokument, wendet man entweder die falschen Offline-Abnahmekriterien auf Online-Daten an oder bezieht Ergebnisse von rotierenden Maschinen auf eine Gerätenorm, die nie für Statorwicklungen vorgesehen war.
| Standard | Geltungsbereich | Online/Offline | Einheit | Akzeptanzansatz |
|---|---|---|---|---|
| IEC 60270 (neueste Ausgabe 2025) | Ladungsbasierte Teilentladungsmessung an Hochspannungsgeräten im Allgemeinen | Hauptsächlich offline / im Werk | pC, ladungskalibriert gegen einen Referenzimpuls | Testspezifikationsgesteuert; der Produktstandard legt Bestanden/Nicht bestanden fest |
| IEC 60034-27-2 | Online-Teilentladung an der Statorwicklungsisolierung von rotierenden elektrischen Maschinen | Online, im Normalbetrieb | mV (Breitband) oder pC (sofern eine Kalibrierung möglich ist) | Trendbasiert; Vergleich mit ähnlichen Maschinen und früheren Messungen |
| IEEE 1434 (2014) | Leitfaden zur Messung von Teilentladungen in Wechselstrommaschinen | Online- und Offline-Anleitung | mV am häufigsten | Statistisch gesehen sind stabile Betriebsbedingungen für eine valide Trendanalyse erforderlich. |
Die Angabe der Online-Stator-Teilentladung in pC impliziert eine Ladungskalibrierung nach IEC 60270, die an einer kompletten Wicklung in der Regel nicht durchführbar ist, da die induktive und kapazitive Last des Stators den Kalibrierimpuls verzerrt. Laut der CIGRE-Studie „Iris Power“ von 2016 werden Online-Statorimpulsamplituden in mV statt in Piko-Coulomb gemessen, „da die Kalibrierung in pC schwierig ist“. Werden in einem Bericht beide Einheiten für dieselbe Maschine vermischt, sind die Werte mit Vorsicht zu interpretieren.
Ein Entscheidungsrahmen für eine einzelne PD-Lesung

Die meisten Außendiensttechniker können jeweils nur auf einen einzelnen Messwert reagieren, in der Regel ohne den Vorteil monatelanger Trendanalysen. Die unten beschriebene „4-stufige Einzelmesswert-Triage“ basiert auf statistischen Untersuchungen von Iris Power sowie dem in den letzten zwanzig Jahren gesammelten Konsens von Anwendern in Eng-Tips und ähnlichen Foren. Sie ersetzt keine Trendanalyse, ist aber ein vertretbares Vorgehen, wenn keine Trenddaten vorliegen.
- Normalisierung auf die Anlageklasse. Die Rohmesswerte werden anhand eines Datensatzes vergleichbarer Anlagen mit gleicher Spannung, Kühlmethode und gleichem Sensortyp in Perzentilwerte umgerechnet. Der Iris-Datensatz belegt, dass Messwerte oberhalb des 90. Perzentils in der Vergangenheit in über 200 visuell geprüften Fällen mit bestätigten Isolationsschäden korrelierten.
- Rauschen unterscheiden. Führen Sie die Messung mit aktiviertem Kanalgating, 3PARD oder 3FREQ erneut durch. Fällt der Wert nach der Filterung um mehr als 6 dB ab, betrug der ursprüngliche Rauschanteil mindestens die Hälfte. Führen Sie die Schwellwertprüfung erneut mit dem gefilterten Wert durch.
- Klassifizieren Sie das Muster. Vergleichen Sie das dominante PRPD-Muster mit der obenstehenden 4-Muster-Checkliste. Muster von Teilentladungen im Inneren und an der Oberfläche rechtfertigen eine Untersuchung; Koronaentladungen allein in der Regel nicht. Muster von Entladungen in freischwebenden Metallen erfordern eine Abschaltung – sie breiten sich schnell aus.
- Aktionsauswahl. Sind die Schritte 1 bis 3 erfolgreich (unter dem 90. Perzentil, kein Abfall des gefilterten Rauschens, ausschließlich Koronaentladungen), wird die normale Überwachung fortgesetzt. Löst ein Test einen roten Wert aus, sind die entsprechenden Folgemaßnahmen einzuplanen: vergleichender Offline-Teilentladungstest mit einer Spannung von 1.5 bis 2.0 ppu für Kabel und Durchführungen, Sichtprüfung der Statoren beim nächsten Abschaltvorgang, beschleunigter Wiederholungstest innerhalb von 30 Tagen für alle grenzwertigen Schaltanlagen.
Hinweis zu den Betriebsspannungsgrenzen: Ein Eng-Tips-Autor mit 10,000 km Kabeltesterfahrung merkte an: „Bei Betriebsspannung werden maximal 3 % der Teilentladungsstellen sichtbar.“ Die meisten Isolationsfehler in Kabeln entladen sich nicht bei Nennspannung, sodass sie bei Online-Tests allein systematisch übersehen werden. Wenn die Kosten eines übersehenen Fehlers einen Netzausfall verursachen, sollte nach einer Online-Untersuchung eine Offline-Messung bei 1.5 bis 2.0 Vp erfolgen. Entsprechende Ausrüstung ist erforderlich. Demiks Power Hochspannungsprüfgeräte bietet sowohl Online- als auch Offline-Funktionalität in einer Gerätefamilie, wodurch die Daten direkt vergleichbar werden.
Ausblick 2025 bis 2026: KI-gestützte Interpretation von Parkinson-Mustern

Die größte Veränderung in der Interpretation von Parkinson-Krankheiten in den letzten zwei Jahrzehnten war die Einführung bildbasierter Deep-Learning-Verfahren zur Mustererkennung. Eine Veröffentlichung aus dem Jahr 2025 in MDPI Angewandte Wissenschaften TEV-basierte KI-gestützte Überwachung mittels Faltungsnetzwerken, die das PRPD-Diagramm direkt als Bild anstatt als Vektor extrahierter Merkmale verarbeiten, wurde eingeführt. Ebenso wurde ein 2025 indiziertes PubMed Central CNN- und rekurrente Netzwerkarchitekturen wurden zur Klassifizierung von Teilentladungssignalen in Leistungstransformatoren eingesetzt, wobei die Klassifizierungsgenauigkeit die traditionellen Support-Vector-Machine-Baselines übertraf.
Für Anlagenbetreiber sind im Jahr 2026 zwei wichtige Punkte zu beachten. Erstens: Die neue Ausgabe EN IEC 60270:2025 hat die Spezifikationen für die ladungsbasierte Teilentladungsmessung nach 25 Jahren aktualisiert. Wenn Sie also ab 2026 Werksabnahmeprüfungen für Hochspannungsanlagen vorschreiben, beziehen Sie sich bitte auf die Ausgabe 2025 und nicht auf die Ausgabe 2000. Zweitens: Die KI-Interpretation ist bereits jetzt eine nützliche Zweitmeinung und kein Ersatz für einen erfahrenen Analysten. Nutzen Sie sie als Instrument zur Vorauswahl, das Kandidaten für eine menschliche Überprüfung markiert, und nicht als Blackbox, die nur zwischen „bestanden“ und „nicht bestanden“ entscheidet.
Häufig gestellte Fragen
F: Was ist die häufigste Ursache für Teilentladungen in Transformatoren?
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F: Welcher Anteil an Teilentladungen ist in Mittelspannungskabeln zulässig?
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F: Worin unterscheidet sich ein Online-PD-Test von einem Offline-PD-Test?
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F: Was genau legt die IEC 60270 fest?
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F: Kann KI PRPD-Muster präzise interpretieren?
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Über diese Analyse
Dieser Leitfaden fasst von Experten begutachtete CIGRE-Studien zur Interpretation von Teilentladungen (TE) an rotierenden Maschinen unter Spannung, technische Whitepaper von OMICRON zur Rauschunterdrückung und PRPD-Analyse, die Normen IEC 60270, IEC 60034-27-2 und IEEE 1434 zur TE-Messung sowie Fachdiskussionen im Elektrotechnikforum Eng-Tips zusammen. Er dient als praktischer Leitfaden für Ingenieure, die TE-Prüfungen spezifizieren, durchführen oder in Betrieb nehmen. HochspannungsprüfgeräteGeprüft vom Demiks Power-Ingenieurteam.
Referenzen & Quellen
- Fortschritte bei der Interpretation von Online-Teilentladungsprüfungsergebnissen an Statorwicklungen von Motoren und Generatoren (Sedding, Stone, Warren) — CIGRE 2016, Paris
- Wie man Teilentladungen analysiert — Technisches Whitepaper der OMICRON electronics GmbH
- Rauschunterdrückungs- und Quellentrennungstechniken (3PARD / 3FREQ) — OMICRON electronics GmbH
- IEC 60270:2025 — Hochspannungsprüfverfahren — Ladungsbasierte Teilentladungsmessungen — Internationale Elektrotechnische Kommission
- IEC 60034-27-2 — Rotierende elektrische Maschinen — Online-Teilentladungsmessungen an der Statorwicklungsisolierung — Internationale Elektrotechnische Kommission
- IEEE 1434-2014 — Leitfaden zur Messung von Teilentladungen in Wechselstrommaschinen — Institut für Elektrotechnik und Elektronik
- KI-gestützte Teilentladungsanalyse für TEV-basierte Überwachung — MDPI Angewandte Wissenschaften, 2025
- Forschung zur Erkennung und Klassifizierung von Teilentladungssignalen mittels Deep Learning — PubMed Central PMC12633952, 2025
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